ČLÁNKY / ARTICLES / STUDIEN
Daniel ŠPELDA, The Power of the Word and the Mastery of Nature: Renaissance Magic and Francis Bacon
Die Macht der Wörter und die Beherrschung der Natur: die Renaissance-Magie und Francis Bacon
In seiner Schrift Valerius Terminus schreibt Francis Bacon, dass Adam die Dinge mittelst ihrer wahrhaften Namen habe beherrschen können. Dieser Gedanke wird oft als magisches Motiv bezeichnet und die vorliegende Studie befasst sich damit, ob die Idee der Beherrschung der Dinge durch die Namen in der Renaissance-Magie vorkam und ob Bacons philosophisches Projekt der grossen Erneuerung der Wissenschaften von dieser Magie beeinflusst wurde. Der erste Teil der Studie befasst sich mit der natürlichen Magie (Porta, Ficino, Campanella), der zweite behandelt die kabbalistische und neoplatonische Magie (Mirandola, Agrippa von Nettesheim). Im dritten Teil werden Bacons Ansichten über Magie wiedergegeben. Die Analyse dieser Ansichten belegt, dass sich Bacons philosophisches Projekt von der Renaissance-Magie in mehreren Hinsichten deutlich unterscheidet. Im letzen Teil versucht der Verfasser nachzuweisen, dass die Erwähnung der Macht der Wörter nicht als Folge eines Einflusses der Magie auf Bacon interpretiert werden darf. Vielmehr handelt es sich um den Ausdruck einer idealen Form der menschlichen Macht über die Natur, die der Mensch nach seinem Sündenfall jedoch nie vollkommen erreichen kann. Bacon stimmt mit der damaligen protestantischen Auffassung überein, dass die Folgen des Sündenfalls wettgemacht werden könnten und dass der Mensch zu seiner paradiesischen Souverenität und Macht durch „unreine“ Mittel wie Arbeit, Technik, und forchungswissenschaftliche institutionelle Verwaltung zurückfinden könne.
Juan Antonio SÁNCHEZ, Parallele Motive bei Johann Amos Comenius und Baltasar Gracián
Parallel Motifs in the Works of Jan Amos Comenius and Baltasar Gracián
The field of comparative literature has yet to consider in depth the connections between early modern Spain and Bohemia. This article discusses one of the most interesting aspects of this broader comparative theme: parallel motifs and themes in the works of J. A. Comenius and of Baltasar Gracián. The specialist literature has tackled this subject, but many of the questions regarding similarities between the two authors remained unanswered. The focus in this contribution is in particular on the similarities and differences between Comenius’ Labyrinth of the World and Paradise of the Heart and Gracián’s El Criticón. The style and structure of both works are described, and some of the typical problems of the Baroque mind – such as the critique of Humanism, the search for a practical philosophy and the tension between visions of the world as harmony and as chaos – are considered. These themes are, of course, more or less common to other writers of the period, and it is therefore suggested that sources which might have been used by both Comenius and Gracián are studied. An effort is made to trace the common textual influence of the Greek satirist Lucian of Samosata on both authors; this, however, remains a hypothesis, which might serve to provoke a more thorough investigation of the influence of Lucian on Renaissance and Baroque writers, and of his contribution to the origin of the modern novel.
Daniel HEIDER, Suarez' Konzeption des Prinzips der Individuation von Akzidenzien im Lichte der Thomistischen Lösung
Suárez’s Conception of the Principle of Individuation of Accidents in the Light of the Thomistic Solution
Suárez’s conception of the principle of individuation of accidents and its relationship to the Thomistic solution is the main theme of the paper. In the fi rst part, the author briefly recapitulates Suárez solution to the individuality and individuation of substances. In the second part he presents two main conceptions of the principle of individuation of accidents: substance and entitative theory of individuation. He presents four reasons for the entitative theory which are given by Suárez. In the third, the most ample part, he shows that Suárez argues that the Thesis of simultaneous co-existence of two mere numerically different accidents in the same subject can be valid, at least, in the case of respective accidents (relations). If it is not valid in the case of absolute accidents, then it is, according to Suárez, not because of the incompatible principle of individuation of accidents, but because of the fact that „nature abhors futility“. Besides, he shows that God’s absolute potence towards numerical multiplication of qualities cannot be restricted by certain natural principles of intensification and remission of qualities. In the last part, the author shows that if it is not contradictory that two mere numerically different accidents can co-exist in the same subject, it is a fortiori valid about the Thesis of successive existence of the two mere numerically different accidents in the same subject.
James HILL, What Does ´to think´ (cogitare) Mean in Descartes' Second Meditation?
Was heißt „denken“ (cogitare) in Descartes’ Zweiter Meditation?
Der Artikel setzt sich mit der Frage auseinander, was die Bedeutung des Terminus cogitare in Descartes’ Zweiter Meditation ist. Der Autor hält die orthodoxe Interpretation, es heiße „bewusst sein“, nicht für wahr. Aufgrund einer Textanalyse kommt er zu der Ansicht, dass dieser Terminus eine primär intellektuelle Bedeutung hat. Descartes spricht von Wahrnehmung und Vorstellung als von Arten der cogitatio, da er meint, dass auch diese Leistungen des Gemüts im Kern Tätigkeiten intellektueller Natur sind.
Petr DVOŘÁK, The Logic and Semantics of Modal Propositions in Juan Caramuel
Logik und Semantik der Modalpropositionen bei Juan Caramuel
Der Artikel stellt die logische Modalitätenlehre von Juan Caramuel von Lobkowitz vor. Zu den Standartmodalbegriffen Notwendigkeit, Möglichkeit, Unmöglichkeit und Kontingenz fügt Caramuel noch den Modus Freiheit hinzu. Die Kontingenz fasst er in einer Polemik mit einigen Zeitgenossen als „möglich, vielleicht aber auch nicht“ auf. Der Autor des Artikels untersucht außerdem die Frage nach der Berechtigung, den Modus der Freiheit zu den logischen Grundmodalitäten zu zählen, und gelangt hierbei zu einer negativen Antwort. Caramuels Auff assung der Modalitäten ist auch dadurch interessant, dass er außer den logischen Modalitäten auch einige Beziehungen zwischen ausgewählten epistemischen und deontologischen Modalitäten untersucht.
Jan PALKOSKA, Leibniz on Abstracts
Leibniz über Abstrakta
Das Thema des Artikels betrifft die Grundlagen von Leibniz’ sog. „nominalistischem“ Standpunkt, dem zufolge in der geschaffenen Welt keine abstrakten Dinge (res) existieren. Im Aufsatz werden allmählich Leibniz’ Begriffe des Konkreten und Abstrakten rekonstruiert (Abteilung I), die Argumente für seine „nominalistische“ Position diskutiert (Abteilung II) und die erzielten Ergebnisse im weiteren Rahmen seines Denkens untergeordnet (Abteilung III).
In der I. Abteilung zeigt der Verfasser, dass Leibniz Abstrakta auf der Grundlage der Inhärenz-Relation zu definieren versucht. Daraufhin werden seine Versuche diskutiert, den genauen Funktionsrahmen dieser Relation zu bestimmen. Schließlich folgert der Autor, dass seine Konzeption abstrakter und konkreter Dinge wesentlich an die Problematik des Grundes a parte rei für wahrheitsgemäße Prädikationen gebunden ist.
In der II. Abteilung werden zwei Typen von Leibniz’ Argumentation für seine „nominalistische“ Position analysiert. Der erste Typ gründet sich auf den Nachweis der Fatalität eines bestimmten unendlichen Regresses, den die Voraussetzung einer aktualen Existenz abstrakter Dinge impliziert. Das Argument des zweiten Typs wird in der Art einer reductio ad absurdum der in Frage gestellten Voraussetzung geführt. Nichtsdestotrotz zeigt der Verfasser, dass letzteres doch von der Argumentation des ersten Typs abhängig ist, die von daher als fundierend bezeichnet werden muss.
In der III. Abteilung macht der Autor auf den provisorischen Charakter von Leibniz’ „Nominalismus“ aufmerksam und dann bringt er diesen „Nominalismus“ in eine wesentliche Beziehung zu Leibniz’ Ablehnung der aktualen Existenz allgemeiner Gegenstände.
Materials / Materialien
Michaela TYDLITÁTOVÁ, Comeniana at the Library of the Masaryk Institute of the Academy of Sciences of the Czech Republic: Forgotten History and New Surprises
Tomáš HAVELKA – Miloš SLÁDEK, An Unknown Document Relating to Comenius' Finances: On the Relationship Between Ladislav Velen of Žerotín and Comenius
RECENZE / REVIEWS / REZENSIONEN
Jan Amos Coménius, Novissima Linguarum Methodus. La toute nouvelle méthode des langues (V. Balík)
Jan Patočka, Komeniologické studie III (J. MATULA)
Jan Blahoslav Čapek, Několik pohledů na Komenského (V. VIKTORA)
Erwin Schadel (Hrsg.), Johann Amos Comenius – Vordenker eines kreativen Friedens (J. PEŠKOVÁ)
Veit-Jakobus Dietrich – Hans Hecker (Hrsg.), Comenius der Politiker (D. S. LARANGÉ)
Howard Hotson, Johann Heinrich Alsted, 1588–1638: Between Renaissance, Reformation and Universal Reform (V. URBÁNEK)
Howard Hotson, Paradise Postponed: Johann Heinrich Alsted and the Birth of Calvinist Millenarianism (V. URBÁNEK)
Noémi Viskolcz, Johann Heinrich Bisterfeld (1605–1655) bibliográfia. A Bisterfeld-könyvtár (M. SZENTPÉTERI)
Jaroslav Boubín, Petr Chelčický. Myslitel a reformátor (E. MAUR)
Emidio Campi (Hrsg.), Heinrich Bullinger und seine Zeit. Eine Vorlesungsreihe (D. NEVAL)
Wilhelm Kühlmann – Joachim Telle (Hrsg.), Corpus Paracelsisticum, Bd. 2, Der Frühparacelsismus (I. PURŠ)
The Oxford Bacon, XI. The Instauratio magna, Part II: Novum organum and Associated Texts (D. ŠPELDA)
Tomáš Nejeschleba (ed.), Philosophy of Giordano Bruno. Die Philosophie von Giordano Bruno (D. ŠPELDA)
Janet Broughton, Descartes's Method of Doubt (J. HILL)
Andrzej Wyczański, Wschód i Zachód Europy w początkach doby nowożytnej (Miloš ŘEZNÍK)
Luďa Klusáková, The Road to Constantinople: Sixteenth-Century Ottoman Towns through Christian Eyes (J. MILLER)
Kees Thomassen – J. A. Gruys (Hrsg.), The Album Amicorum of Jacob Heyblocq (M. RYANTOVÁ)
Markéta Křížová, La ciudad ideal en el desierto. Proyectos misionales de la Compańía de Jesús y la Iglesia Morava en la América colonial (A. MIŠTINOVÁ)
Edita Štěříková, Exulantská útočiště v Lužici a Sasku (M. KŘÍŽOVÁ)
L. M. Bragina (Hrsg.), Mif v kulture Vozrožděnija (Z. BENEŠ)
Olivier Christin, Les Yeux pour le croire. Les Dix Commandements en images (XVe–XVIIe sičcle) (D. S. LARANGÉ)
Éva Knapp – Gábor Tüskés, Emblematics in Hungary: A Study of the History of Symbolic Representation in Renaissance and Baroque Literature (L. KONEČNÝ)
Gerhard F. Strasser – Mara R. Wade (Hrsg.), Die Domänen des Emblems: Außerliterarische Anwendungen der Emblematik (L. KONEČNÝ)
Poésie latine en Bohęme. Renaissance et Maniérisme (D. S. LARANGÉ)
Jaromír Linda – Alexandr Stich – Alena Fidlerová – Martina Šulcová et al. (Hrsg.), Repertorium rukopisů 17. a 18. století z muzejních sbírek v Čechách, Bd. I/1, 2 (M. TOŠNEROVÁ)
Дмитрo Чижевський, Українське літературне бароко; Дмитрo Чижевський, Літературний український барок; Дмитрo Чижевський, Філософія Г. С. Сковородu (D. S. LARANGÉ)
NEKROLOGY / OBITUARIES / NEKROLOGE
Koichi OTA, Professor Teruo Fujita (1941–2004)
Martin STEINER, Rückblick auf Jan Lehár (1949–2004)
Jan B. LÁŠEK, In memoriam Daniel Alexander Neval (1970–2005)